Im Gedenken an Dr. Herbert Klengel

Reiter, wirf einen kalten Blick auf das Leben, auf den Tod — und reite weiter

Nachruf fn   Uta Helkenberg

Dr. Herbert Klengel verstorben

Der Vielseitigkeitssport trauert um Dr. Herbert Klengel. Am 9. Januar verstarb der Holzeröder Turnierleiter, Geländeaufbauer und Richter kurz vor seinem 69. Geburtstag.

Selbst früher begeisterter Vielseitigkeitsreiter, erwarb der Facharzt für Radiologische Diagnostik aus Göttingen Ende der 80er Jahre eine ehemalige Gaststätte in Holzerode, die er zu einer Reitanlage umbaute. Unter seiner Regie wurde diese zu einem Zentrum der Vielseitigkeitsreiterei in Südniedersachsen. Regelmäßig fanden hier zunächst nationale und seit Beginn der 2000er Jahre internationale Vielseitigkeitsprüfungen statt. Als Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Holzerode war Dr. Herbert Klengel aber nicht nur Motor des Turniers, sondern setzte sich intensiv auch für die reiterliche Aus- und Fortbildung der Vereinsmitglieder ein. Immer wieder stellte er seine eigenen Pferde für Abzeichen- oder Trainerlehrgänge zur Verfügung. Besondere Verdienste erwarb sich Dr. Klengel in den vergangenen Jahren durch die Entwicklung eines einfach zu handhabenden und kostengünstigen Sicherheitsssytems für Geländehindernisse. Dank des nach ihm benannte „Klengel-Systems“, das inzwischen patentiert ist und in Zusammenarbeit mit der Hochschule Nürtingen weiterentwickelt wird, bleibt der Name Herbert Klengel auch künftig untrennbar mit dem Vielseitigkeitssport verbunden.

Nachruf Thorsten Mönchmeyer     Master der Böhmer Harrier Meute
 
Ein großer Förderer des Vielseitigkeits- und Jagdsports ist von uns gegangen
 

Plötzlich und für uns völlig unerwartet erreichte uns heute die Nachricht vom Tod von Dr. Herbert Klengel. Jagdherr, Freund und großartiger Horseman. Wir nehmen Abschied.

 

Er war ein Sportsmann wie er im Buche stand.

In jungen Jahren hat er selber aktiv Jagden geritten mit der Hessen Meute. Bis heute hat er selber diesen Sport gefördert und uns jedes Jahr zu seiner Jagd am 3. Oktober eingeladen.

Er war auch aktiv unterwegs in der Vielseitigkeitsreiterei und hat sein eigenes Sicherheitssystem für die Sprünge entwickelt. Unsere Nachbarn aus England haben sein System mit verbaut, um schwere Unfälle zu vermeiden-darauf war er stolz.

 

Man konnte ihn immer um Rat fragen, er hatte immer ein offenes Ohr.

Er hat sich in seinem Heimatort auch dort für die Belange eingesetzt wie zum Beispiel für die Flurbereinigung. Hierbei hat er es so geschickt eingefädelt, dass alle etwas davon hatten: Grundstückseigentümer, Jäger, Naturfreunde und Reiter. Doch die Reiterei war bis zum Schluss seine Passion.

Wir sind tief betroffen von dem plötzlichen Tod dieses großartigen Horsemen.

Seiner Familie gilt unser tiefstes Beileid.

 

Trauerrede von Christoph Hess

 

Lieber Herbert!
 
Es ist unfasslich, dass wir hier sind in Deiner Reithalle, ohne Dich. 


Wie oft hast Du hier gestanden, wie oft hast Du hier selbst geritten oder unterrichtet – heute bist Du nicht da, und wirst es auch nie mehr sein.


Dein Leben wurde vor wenigen Wochen beendet, ein Leben, das so ganz im Zeichen des Pferdesports, Deiner Pferde und Deiner Reiter gestanden hat.


Für Dich war der Pferdesport Lebenselixier. Inspiriert und fasziniert vom französischen Cadre Noir, haben Dich die Pferde und der Pferdesport über Jahrzehnte begleitet, sie waren Deine Konstante, Dein „roter Faden“ in einem Leben, das Dich in vielerlei Hinsicht gefordert hat.

 

Beruflich warst Du bis an den Anschlag gefordert. Du bautest Dir zusammen mit Deinen Kollegen eine radiologische, diagnostische Praxis auf, die weit über Göttingen hinaus einen sehr guten Ruf genießt. Du warst Arzt aus Leidenschaft und hast Dich in Deiner beruflichen Tätigkeit in hohem Maße verwirklicht und unglaublich engagiert.

 

Glaubt aber jemand, dass all Deine anderen Aktivitäten darunter litten, der hat sich getäuscht. All, das was Du machtest, das machtest Du mit großer Begeisterung, mit ganz viel Passion und Hingabe. Halbe Sachen, das war nicht Deins.


So war es für Dich früh klar, Dich in der Reiterei über Dein eigenes Reiten hinaus zu engagieren. Du hast über einen langen Zeitraum hier in Holzerode Dein reiterlichen Paradies aufgebaut. Du hast Schüler und Pferde ausgebildet, hast Deine Reiter mit Deinen Pferden beritten gemacht, Deine Reiter zu Ausbildern gemacht und warst stolz darauf, wenn sie reiterlich weiter kamen, sich an dem Sport und den Pferden erfreuten.  Dies alles hat Dir so viel bedeutet.


Dabei war die taktmäßige Hilfengebung Dein größtes Steckenpferd. Hierüber hattest Du sogar ein Manuskript geschrieben und mit dessen Inhalt vielen Reitschülern die Augen und dem ein oder anderen sogar eine neue Welt eröffnet.   


Du wurdest Funktionsträger in der Reiterei, stelltest Dich der damit verbundenen Schulung und wurdest zum Richter und Geländeaufbauer ernannt.


Dein Herz gehörte der Disziplin Vielseitigkeit, warst Du doch davon überzeugt, dass nur eine breit angelegte Ausbildung, die das Dressurreiten, das Springen und das Geländereiten beinhaltete, langfristig eine erfolgreiche Ausbildung sein konnte. Von diesem Gedanken warst Du so beseelt, dass Du ihn in all Dein Tun, Denken und Handeln eingebracht hast.


Bereits vor vielen Jahren hast Du begonnen, Holzerode zu einem Turnierort für regionale und internationale Turniere zu machen. Dein internationales Turnier hat eine sehr gute Reputation bekommen - Dank Deines unermüdlichen Einsatzes. Ohne Dich hätte der Name „Holzerode“ in der großen nationalen und internationalen Eventing Family nicht den Klang, den es heute besitzt, ohne Dich gäbe es Holzerode als Veranstaltungsort vermutlich gar nicht. Deine Gastfreundschaft bei Turnieren war allgemein bekannt, Dein Haus für alle, Richter, Reiter, Helfer immer offen; die lange Tafel, an der man sich zu den Mahlzeiten einfand oder die Abende vor dem Kamin, gefüllt mit der Historie des Pferdes und des Reitsports, wurden von vielen sehr geschätzt.  


Wer wie ich das Glück hatte, sich mit Dir in einer Art Privataudienz, den von Dir erstellten Geländekurs vor einem Deiner Turniere anzusehen, der spürte, was für Dich dieser Sport bedeutete, wie sehr Dich Deine internationale Veranstaltung begeisterte, ja, es war in gewisser Weise Dein Leben. Man spürte bei der Rundfahrt mit Dir in Deinem Geländewagen durch das unwegsame Gelände, wieviel Herzblut Du für all dies eingebracht hast, ich selbst fragte mich, wie ist all das für Dich mit all Deinen anderen Verpflichtungen überhaupt verein- und leistbar.

 

Auf der anderen Seite spürte ich aber auch, dass Du, lieber Herbert, aus all dem, was Du einbrachtest, gleichzeitig auch Kraft geschöpft hast. In Holzerode tauchtest Du in eine ganz andere Welt hinein, in eine Welt, die mit der Deines Berufes so gar nichts zu tun hatte. Hier konntest Du so richtig abschalten.


Der Holzeröder Geländekurs trug Deine Handschrift. zu jedem einzelnen Hindernis könntest Du uns eine Geschichte erzählen, würden wir heute mit Dir gemeinsam noch einmal Deine Geländestrecke besuchen. Doch Du wärest nicht Herbert Klengel gewesen, wenn Du nicht Neues ausprobiert und bestehendes weiterentwickelt hättest. So hast Du immer überlegt, was Du noch besser machen kannst, wie der Vielseitigkeitssport sicherer werden könne; denn das Überwinden fester Hindernisse bedingt immer ein gewisses Risiko für Pferd und Reiter. Stürze werden sich in diesem Sport nie ganz vermeiden lassen.


Dass Du ein Tüftler bist, habe ich in diesem Zusammenhang erleben dürfen. Der Gedanke, den Vielseitigkeitssport sicherer zu machen, brachte als Ergebnis, das inzwischen patentierte „Klengel System“ für ein abwerfbares, festes Geländehindernis. Die Fachhochschule Nürtingen entwickelt in Deinem Sinne das System weiter. Dein Name wird deshalb weiter eng mit der Disziplin Vielseitigkeit verbunden sein und hoffentlich dazu beitragen, dass es künftig zu keinen schweren Stürzen mehr beim Überwinden von Geländehindernissen kommen wird.

 

Mit der Patentierung Deines Hindernisses hast Du Dir, lieber Herbert, bereits zu Lebzeiten ein echtes Denkmal gesetzt.

 

Trauerrede von Kirsten Schmied

 

Liebe Trauergäste, liebe Familienangehörigen,

 

dass ich hier heute stehen muss und mich im Namen aller Vereinsmitglieder und persönlich von Herbert verabschieden muss, ist immer noch unfassbar.

 

Nichts anderes fällt uns im Leben so schwer wie das endgültige Abschiednehmen von einem Menschen, den wir kennen und schätzen gelernt haben, mit dem wir ein langes Stück des Lebens gemeinsam gegangen sind und dem wir uns verbunden fühlen. Hört man, jemand sei plötzlich und unerwartet verstorben, ist das meist fern der eigenen Realität. Aber genauso hat uns nun Dein Tod, Herbert, getroffen. Noch am Sonntag zuvor fand hier in der Reithalle unter Deiner Regie unser Neujahrsspringen statt, eine von vielen liebgewonnenen Traditionen unseres Vereins, die Du eingeführt hast. Als am Dienstag auf unserer Homepage stand, "die Dressurstunde bei Herbert fällt heute aus", waren wir alle sicher: eine Nächste wird stattfinden.  Aber so war es nicht. Du wirst uns fehlen, lieber Herbert, sind wir doch in den vergangenen 33 Jahren wie eine zweite Familie geworden.

 

Seit Du 1987 den Struthkrughof erworben hast, bautest Du die Reitanlage kontinuierlich aus und um. Der alte Tanzsaal wich einer neuen Reithalle, hinzu kamen Dressur- und Springplätze sowie eine Vielseitigkeitsstrecke von internationalem Format. Holzerode wurde zu einem festen Begriff in der Reiterszene, Deine Reitanlage zu einem Zentrum der Vielseitigkeitsreiterei in Südniedersachsen, weit darüber hinaus bekannt.

 

Auf dem Weg dorthin durften wir, die Mitglieder, des Reit- und Fahrvereins Holzerode, Dich begleiten. Seit 1997 warst Du erster Vorsitzender des Vereins. Du hast aus einem jungen, ländlichen Reitverein ein leistungsstarkes und motiviertes Team im Dienst des Vielseitigkeitssports geformt. Wir wurden im Rahmen unserer internationalen Turniere jedes Jahr Gastgeber für Reiter aus ganz Deutschland und vieler anderer Nationen, darunter Olympiateilnehmer- und Sieger. Darauf waren wir gemeinsam stolz.

 

Deine Begeisterung für die Vielseitigkeitsreiterei übertrug sich auf uns alle und bestimmte natürlich auch außerhalb der Turniere unser Vereinsleben.

Die Fahrt nach Luhmühlen, wo Du seit vielen Jahren als Geländeobmann eingesetzt warst, gehörte für uns zum Jahresprogramm. Unvergessen ist der kurzentschlossene Flug nach Athen zur Olympiade oder die gemeinsame Busreise zu den Weltreiterspielen nach Aachen, um die Geländeritte der hoch erfolgreichen deutschen Vielseitigkeitsreiter zu erleben. Diese Reisen bescherten uns Gänsehautmomente, die immer in Erinnerung bleiben werden.

 

Auch die Schleppjagd hinter der Böhmer Harrier Meute, die Du jedes Jahr mit viel Umsicht und Sachverstand plantest, gehört für viele Reiter aus der Region und für viele Holzeröder zu einem der absoluten Höhepunkte des Jahres.

 

Abseits von diesen großen, schönen Veranstaltungen, gab es natürlich auch ein Alltagsleben. Das Leben auf Deinem Hof und Deiner Reitanlage mit bis zu 30 Pferden und all den Menschen, die dazugehören. Vielen bist Du täglich begegnet, für alle warst Du geduldiger Ansprechpartner, wer bei Dir Rat gesucht hat, ob reiterlich. ärztlich oder persönlich, war immer willkommen.

 

Überhaupt: Ein offenes Haus mit vielen Gästen war für Dich selbstverständlich. Du bist gern und großzügig Gastgeber gewesen. Diese Großzügigkeit galt nicht nur den Menschen um Dich herum. Du hast immer wieder Pferde aufgenommen, die niemand so recht haben wollte. So fanden zum Beispiel die betagten Schulpferde vom benachbarten Reiterhof bei Dir eine neue Heimat, als dieser geschlossen wurde. Sie hatten noch einige Jahre ein schönes Leben auf Deinem Hof in Holzerode und wurden von den jüngsten Reitschülern sehr geliebt.

 

An erster Stelle stand für dich immer der respektvolle und vertrauensvolle Umgang mit unserem Partner Pferd. Dein Leitspruch war "Pferde sind die besseren Menschen"

Und Du warst überzeugt davon, dass nur ein gut ausgebildeter Reiter mit der Fähigkeit zur taktmäßigen Hilfengebung den Bedürfnissen seines Reitpferdes gerecht werden kann.

Die intensive reiterliche Aus- und Fortbildung Deiner Vereinsmitglieder war Dir darum immer ein besonderes Anliegen. In unzähligen Stunden, oft nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag in der Praxis, hast Du hier in der Reithalle gestanden und Unterricht gegeben.

 

Auf die manchmal ungeliebte theoretische Ausbildung hast Du immer bestanden, weil Du der Überzeugung warst, dass gutes Reiten im Kopf beginnt und ein tiefes Verständnis der Bewegungsabläufe des Pferdes bedarf.

 

Es war Dir immer besonders wichtig, junge Reiter für den Verein zu gewinnen und den Nachwuchs intensiv zu fördern. Viele unserer jungen Reiter hast Du über Jahre kontinuierlich gefördert, Ihnen Deine Pferde zur Verfügung gestellt, dafür gesorgt, dass sie Reitabzeichenprüfungen ablegen und Trainerlizenzen erwerben. Die meisten unserer Vereinstrainerinnen hast Du selbst ausgebildet. Deine Haltung und die Werte, Die Du ihnen vermittelt hast, werden Ihren Lebensweg prägen.

 

Du bist für uns alle ein Vorbild. Die Lücke, die Du hinterlässt, wird sich nicht schließen lassen. Wir sind Dir unendlich dankbar und werden Dir ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Für die Zukunft wollen wir es mit den Worten der französischen Schriftstellerin Elsa Triolet halten:

 

"Es ist gut, den Toten die Treue zu halten.

Wenn wir tun, was sie tun wollten, werden wir glücklich sein."

 

 

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